Ode an Winter
26.11.2015

Winter vor der Tür...
Ich mach wohl auf.
Zu spät... er ist schon drin
und geht nicht mehr hinaus.
Hat sich hier breit gemacht,
sagt mir: "wir haben Platz zu zweit."

Da sitzt er jetzt und ich mit ihm,
Die Tür ist zu, die Welt ist hier.
Da draußen blieb der Sommer.

Die Pflanzen wuchern, Sonne brennt,
verschwitzte Körper, Fleisch vom Grill
klopft hier an meinem Fenster...
Es ist nicht klar, ob es mit uns am Tische sitzen will.
Ein seltsam peinliches Orchester.

Die Geigen quietschen, Bläser dröhnen,
das Schlagwerk haut die Schädel ein,
Klavier, so meisterhaft versonnen,
tönt schräg mit dem Gesangsverein.
Dazu sind Tänzer eingeladen,
die Maskerade ist wohl auf.
Die einen sind ganz vorn am Speien,
die anderen verdauen bald.

Doch immer wieder hält es inne,
um Luft zu holen für den Zweck.
Den Zweck, den ich mir selbst auswähle.
Kamin ist an und keiner schmilzt.



...
25.11.2015

Dunkel... nächste Worte sind nicht mehr zu sehen,
andere bereits gesprochen alle sind.
Hände, ausgestreckt nach innen,
außen die Fassaden fast zum Bröckeln bringen.
Doch sie stehen, fester als sie je zuvor gestanden sind.

Keiner da... still ist die Nacht.
Ruhig die Kulissen Tag um Tag verschlingen
Sehnsucht nach mehr,
karge Landschaft,
leere Flüsse,
laute Stimmen,
alles, was die Zeit hierher gebracht.

Sand verrinnt... es ist schon spät
und alle schlafen, träumen, wälzen sich darin.
Körper hingelegt am Straßenrande,
Seele eingesperrt für bessre Zeiten,
geistlos, matt, wie Leichen siechen sie dahin.

Vielleicht morgen...
vielleicht morgen...
vielleicht jetzt?



Tod des Puppenspielers
09.02.2013

Hoch hinauf und immer weiter,
dienen eigenem Erleben,
kleiden es in Wahrheitsworte,
töten alle Selbsterkenntnis.

Bühne aufgebaut,
die Puppen eingekauft,
mit Leben aufgefüllt,
die Fäden aufgerüttelt.

Puppen tanzen schwere Lieder,
Lasten tragen immer wieder,
wichtig ist der Tanz der Leute,
blendend ist der Glanz der Meute.

Tag in Nacht
für Macht in Macht.
Große Macht in kleiner Macht,
wartend auf das Ende lacht.

Alles zuckt und biegt sich schmerzvoll,
jedes mal in fester Hand,
ausgerichtet auf die Dauer,
ausgehöhlt fast bis zum Rand.

Nebel überall.
Wichtiges Geschrei.
Arg beschäftigte Gesellen
pflichten hier einander bei.

Große Puppen bringen Menschen,
kleine Menschen an der Hand.
Auf zum Schauspiel!
Immer fester, wird der Griff des Geisterlands.

Wer regiert die Puppen hier?
Puppenspieler wohl bekleidet,
satt und geistreich seine Gesten
deuten mancherlei Proteste.

Plötzlich schneit es aus dem Himmel,
Flocken fallen auf das Land.
Puppenspieler nimmer wieder
feste Fäden halten kann.

Schauspiel dauert dennoch weiter,
Formen wurden ausgehöhlt.
Dort hinein sich senkt im Geiste,
das, was Puppenspieler fand.

Nutzlos ist er jetzt geworden,
für die Macht, die ihn gewann.
Sie besteigt jetzt all die Leute,
die er fleißig an sich band.

Gerne würde er noch bleiben,
Fäden feste in der Hand.
Wird er wohl noch hier verweilen,
ohne Macht und ohne Rang.

Hoffen wir, dass Puppenspieler
seinen Weg erkennen kann.
Hoffen wir, dass seine Puppen
Ende setzen ihrem Wahn.

Hoffen wir, dass Menschen kommen
aus dem Puppensein heraus.
Hoffen wir, dass sie verändern,
das, was Puppenspieler fand.



Der Seher
12.10.2012

Von der Zukunft soll ich sprechen,
Eure Neugierde beglücken.
Welche meint Ihr?
Die von morgen?
Oder gleich zur nächsten Stund'?

Wollt Ihr gar vielleicht womöglich, wissen,
was in hundert Jahren harter Arbeit im Bemühen
uns der Fortschritt garantiert?

Baut Ihr darauf?
Nehmt Ihr hiervon?
Sagt Ihr später: "Ich doch auch!"?

"Hab' gearbeitet, gebetet, hier und dort mit edlen Taten
meine Kammern überfüllt.
Bin bei manchem auch gescheitert,
hatte ab und an Gelüste,
doch zusammen mit dem Volke
Wohl des Ganzen aufgebaut!"

Ja, gewiss,
wir sind uns einig über mancherlei Geschichten,
über die und jene Pflichten Eures Lebens sowieso.
Die Gesellschaft muss gedeihen,
was auch Dieses wohl bedeutet,
mitten drin in dem Geschehen,
nicht nach außen weg geträumt.

Kahle Bäume, leere Fratzen,
durch die Angst entstellte Formen,
Stürme hässlicher Gewalten
glotzen in die Welt hinaus.

Wohl geschmückt mit frommer Absicht,
übersät mit Fluchtgedanken,
immer wieder durch's Gewissen,
vor dem Spiegel Eures Selbst.

Dort könnt Ihr die Zukunft schmecken
und die Möglichkeiten greifen -
Eure wirklichen Gesichter
zu verwandeln vor dem Ich.

Bald wird's keine Völker geben,
keinen "Wir", in dem ein Jeder,
voller gut gemeinter Taten,
seinem Ich entgleiten kann.

Welche Richtung soll's nun gehen?
Sagen Sie! Sie brechen auf.



Alte Freundin
14.09.2012

Ich zeichne Dich und Deine schauderhaften Züge.
Die dünnen Äste Deines Leibes,
Die ausgetrockneten und hohlen Formen.
Genau so, wie Dein aufgesetztes Lächeln, Leiden,
Welches Dich in bestimmten Zeiten wie ein Umhang kleidet.
Zur Wirkung vorbestimmt.

Du bist nicht dort, an einem ganz bestimmten Platz.
Die leere Wohnung nimmst Du Dir als Haus.
Zum Greifen nah.
Dir nicht gehörig, fremd und nicht von Dir gebaut,
Jetzt ists Dein Platz, die Bühne frei, das Licht ist an.
Die Menge ist ja immer da.
Man nutze Das, was hier gefallen ist vor Deine Füße.

Von Diesem ist ein etwas andres Bildnis abzugeben.
Leben - strafft die Formen, füllt die Glieder, rötet das Gesicht und blüht.
Ganz absichtslos, dem Selbstzweck hingegeben.
Die unberührte Frucht an niemanden verschenkt.

Welch liebevolle Züge haben Dies gebildet?
Wem dient jetzt all die nicht verbrauchte Kraft?
Ist das die Möglichkeit? Dein Zugang? Wirkungsort?
So heilig, rein und doch verlassen.
Jetzt von Dir gefüllt, besessen.
Wer ist das nur zu Deinen Füßen dort?

Wo war die Tür um diese Wohnung zu betreten?
Wie bist Du rein, Du ekliges Geschöpf?
Wer hat Dich reingebeten?

Das war sie selbst, sie ist gegangen, fort.
Hat mir Dies hinterlassen.

Hast Du denn nichts dafür getan?
Kannst Du in Unschuld Deine Hände waschen?

Die Möglichkeit war da, vorausberechnet,
Konnte man dort rein
Und immer weiter wachsen.

Du hast es zweckentfremdet.

Doch dafür sind wir da...

Verzieh Dich jetzt,
Du altes Weib,
an andren Ort,
welch keinem Ich entgleitet.
Und Du, komm rein und geh nie wieder fort.
Bis Deine Zeit Dich hiervon scheidet.



Selbstheit
11.09.2012

Ruhig, Herz.

Es ist nur der Hintergrund Deines Lebens.
Und der Vordergrund Deiner Entscheidungen.
Die Seitenstraßen Deiner Verwirrungen.
Und die Marktplätze Deiner Handlungen.

Fieber des Vorübergehenden.
Vorübergehen des Unentschlossenen.
Vorübergehen des Unbeteiligten.
Vorbeiziehen des Erlogenen.
Vorbeiziehen des Lieblosen.

Ruhig, Herz.

Zwischen Stürmen und Niederschlägen.
Mitten unter den feindlichen Heeren.
Über dem lieblich Riechenden.
Unter dem stinkend Kriechenden.
In jeder Ecke zugleich gespannt.
Und doch mit keinem verwandt.

Ruhig, Herz.

Schlag um Schlag immer näher.
Hauch um Hauch immer dünner.
Der Schleier der Stille.
Die Stille der Schritte.
Ganz nah sind wir jetzt.
Ruhig, mein Herz.



Ein Versprechen
13.07.2012

Vor kurzem war Es noch da.
Ich sah Es durch die Fensterscheibe.
Umschlungen von anderen Büchern und klebrigen Streifen
Papier. Es war aus Papier.
Ich kann mich noch sehr genau dran erinnern.
Noch sehr präzise die Linien schwingen
Vor mir.

Es wird jeder Zeit wieder da sein.
du, warte, nimm Platz doch gleich hier.
Oder hier, in dem weichen und mächtigen Stuhl neben mir.
Wir warten gemeinsam. Es muss gleich geschehen mit uns.

Was zappelst du unruhig mit kürzeren Beinen als meine dies sind?!
Die Fresse verzogen und müde der Blick.
dein dünnes Gestell und die hängenden Schultern
Erweisen mir höchstens ein gähnendes Bild.
Sei ruhig und lausche dem Wind.

Er weht so bedächtig, so stetig und gut.
Er ist so gewaltig, erhaben und gut.
Er ist so unglaublich, so wichtig,
So weich und gebrechlich,
So einzig, so prächtig, so kaum missverständlich,

So dick und gefräßig und hässlich und nässend,
Sich windend in ewigen düstren Gewässern.
So lieb und barmherzig, mit eklem Gestank.
So brüderlich ehrlich, in lügendem Tanz.
So seelenerwärmend, verbrennt gleich die Haut.
Gestaltend. Das Fremde.
Behütend. Das Eigne.

Ach, sei es vergessen!
Worüber wir sprachen, das bleibt zwischen uns!
Ein Dummer kann Dies nicht begreifen.
Jetzt gebe doch mir ganz entschlossen dein Wort,
Auf dass du in Ewigem waltest.



Das Leben
13.07.2012

Tot gewesen.
Geschlafen.
Geträumt.

Aufgewacht.
Wo bin ich?
Wer bin ich?
Wozu bin ich?
Mich schlafen gelegt.

Aufgewacht.
Es gibt Antworten.
Hey, Sie da! Warten Sie!
Wo? Welche? Wieviele?
Mich schlafen gelegt.

Wurde aufgeweckt.
Genervt. Licht an. Komische Fratzen.
Nicht mein Traum.
Lassen Sie mich!
Eingeschlafen.

Aus dem Traum gerissen.
Wer war es?!
Diesmal war es meiner!
Verdammte Idioten!
Eingeschlafen.

Ich bin es.
Wach.
Gestorben.

Aufgewacht.
Gestorben.



Alb Riss
12.07.2012

Ich stand auf und ging...
Ohne mich, ohne Wiederkehr.

Wenn ich das Ich zur Rückkehr nicht erzwinge,
Bleibt es für immer fort
Und schweigt mich an im Stillen.

Wer füllt dann diese Stille in mir?
Ein Anderer, ein Jemand,
Mir befremdlich fern und kalt.

So nach und nach,
Mit leisen Schritten,
Lauten Schreien,
Bunten Spielen,
Wichtigen Gebärden,
Schönem Schein und Lachen
Betritt er mein Gemach und singt mir aus dem Kanon vor.

Gewaltig seine Rede.
Im Wirbelsturm vergeht Moral.
Gewissen legt die Flügel nieder.
Die Täuschung macht sich breit.

Ausgestopfte Seelenlöcher, dunkle Ecken gut genutzt.
Graue Handpuppen treiben ungeschützt.

Mein Inneres,
Gedrückt zu Boden,
Hinweg gerissen weit nach oben.
Mich jagt es immer wieder,
Wieder immer ich-los bin.
Warum bist Du gegangen?

Das Äußere ist Dir doch lieb.
Der feste Schritt im Rahmen.
Die Taten folgen Deinem Mord
An mir, an uns zusammen.

Ich gehe immer wieder fort,
Und jedes mal noch blasser werden Tage.
Die Nächte, tanzend in dem Nebel dort,
Bis ich vergessen habe
Den Weg zurück.
Zu Dir.

Dein Ich.



Elen
29.06.2012

Bis aufs Blut.
Zur letzten Stunde täuschend echt
Erinnerung gefallen ist.
Kaum Kraft vorhanden in den Händen,
Um sie mit auf zu heben.
Und immer weiter dringt der Schatten durch.

Rollen vergeben, Masken verteilt.

Es ist los... los gebunden und schreit nach Vernichtung.
Es dürstet nach Taten und kraftvollen Schwingen.
Es dreht sich im Kreise und wütet im Stillen.
In schönen Gewändern,
Für sich... fürs Gelingen.

Verzweifelter Blick, erwischt und bezwungen.
Die Hoffnung auf mehr, erdrückt.
Die Tränen, geschluckt und behalten.
Mit Fleiß überladen und zwingendem Ringen
Nach Licht, um Belieben zu stillen - die Angst.



Wirbelsturm
14.12.2011

So unbeständig wie der Wind, doch stets mit Kraft.
So unentschlossen wie ein Tor - nicht hier, nicht dort.
So unnahbar wie Horizont, versteckt hinter dem Wald.
Und doch so regelrecht anwesend und durchdacht.

Durchzogen von der Sehnsucht.
Erfüllt im Tatendrang.
Das Innere verdeckt durch wirbelnde im Kreis Gewalten.

Still wird es, wenn man ihn dort innen drin erblickt.
Hingebungsvoll sich wendet jede Runde
Und erlischt im Schmerze einer neuen Stunde.
Der Wirbelsturm wird Meer.

Die Wogen, langsam wallend, brechen ein.
Die Tropfen drängen hoch hinaus ins Leere.
Jeder für sich und doch vereint
Erfühlen die erlaubten Sphären.

Doch nach und nach vergeht der Sturm
Unter den steten sanften Rufen.
Die Wellen finden keinen Halt,
Das Meer wird glatt unter den Hufen.

Wer schaut mich aus der Stille an?
Mit Kraft will brechen durch die Wände.
Und doch so scheu und ruhig sich
Hernieder legt in meine Hände.

Das Toben macht bekanntlich hart.
Die kalten Wellen schneiden Wunden.
Für sich betrachtend und entblößt
Die Schönheit, Wahrheit, Güte blühen!



Auqa Vivere

Du bist dem Feuer gleich,
das stets aufs Neue mich erwärmt.
Verbrennt mein Leben,
bringt den Tod
und reißt den Schleier runter.

Ich werd der Erde gleich,
die in dem Himmel eingebettet ruht.
Und meine Asche solln die Winde tragen.

Worin ich unser Gleichnis sehe:
ist die Ruh, die uns verbindet,
der Zweifel, der uns fortan in Stücke bricht
und in Dir schwindet.



Sol

Sterben...
Streben...
Liegt das Eine anderem zu Grunde.
Wenn auch wohl beides in sich alles wendet,
sprich, zerstört und nicht das Leben spendet.

Doch ehe ich mich ahnend dem entschließe,
mich verschließe, vor den Lebenstoren wartend,
will ich mein Streben sterbend gegen Stille tauschen
im Warten auf die Flut.

So wie das Licht zerbricht in abertausend Stücken,
wenn es aus sich heraus das Weite findet.
So wie mein Inneres verbrennt,
wenn ich in ihm das Streben finde.
So auch das eine unsichtbar dem andren dienet
und sich der Winter offenbart.



Der Winter

Kalter Atem vor dem Fenster.
In die Hände nahm ich Tropfen,
ließ sie tanzen für ein bisschen
und verschenkte sie dem Morgen.

Siehe da aus diesen Tropfen
wuchsen wundersame Bilder,
sprangen tausende Gemälde,
wurden vielfache Gebilde.

Alles Stille wurde heiter,
und versteckte sich vor Augen,
ging hinaus doch keiner findets,
ist im Herzen aufgegangen.



Die Hingabe

Dem Adler gleich erhebst du über mich dein Wesen und senkst die Flügel,
um zu zerschellen deinen Leib am Stein, der unter mir verweilt.
Verbirgst davor, an mir vorüberziehend, die Heiligkeit deiner Gedankenwelten
und löschst sie aus mit Feuer deiner Himmelswendung.

Und ich verharre in dem Augenblick des Staunens.
Zu schnell war dies für Menschenaugen,
zu rein war dies für Menschenherzen,
zu weise für das Menschverständnis.

Wo blieb der Schmerz - Gebrechlichkeit der Seele?
Was ist jetzt dort, an dieser einen Stelle?
Gelöst das Rätsel aller Tage,
in einem Augenschein der Frage.
Die Antwort ist gewiss.



Das Rad

Stille...
Töne brechen ein,
verschenken wollen alles dir
und schwinden dann erneut ins Leere.

Worte...
Bilder zeichnen sich
und malen aus die Sphären,
um zu vergehen in der Leere.

Faltet den Raum, um sich zu entfalten,
spengt und erschafft,
bildet und leitet.
Anfang wie Ende
dem gleichen geweiht sind,
verbleibt Sinn.

Vergehen die Tage,
vergehen die Nächte,
vergehen die Taten,
vergehen die Werke,
vergehen die Früchte,
vergehen die Träume,
vergehen... vergehen...
vergehen die Räume.

Die fühlende Leere,
das füllende Leere,
die Liebe
erschafft, um in Ewigkeit walten,
in Freiheit,
in Vielfalt, wie Zweiheit, wie Einheit.
Entscheidung.

Kommt zurück zu der Stille
und wendet die Kreise,
zum Alten im Neuen,
zum Neuen im Alten.
Die Reise.



Ich bin

Ich bin der ich bin...

ein Körper, Geist und eine Seele,
ein ganzer Mensch und ganzer Schatten,
die Suche nach dem Du in Mir,
die Wand
und Atem,
Bewegung,
Licht und Dunkelheit,
Geruch,
Geschmack
und Augenschein,
Gefühl,
Geräusch
und Wiederhall,
die Führung im Gedankenstrahl
Begegnung und der Sinn,
die Zukunft und das Nichts darin
blutendes Herz und Traurigkeit,
die Einsamkeit...

ein Lächeln und ein Weg zu zweit,
Erkenntnis und die Blindheit,
Verlangen, Lust und Keuschheit,
Begehren, Hass und Trägheit,
der volle Magen und die Gier,
das Bessersein und Neid darin,
Vergangenheit und Gegenwart,
Erinnerung und Leere,
der Schmerz...

die Liebe...

ich bin der ich bin.



Der Frühling

Laub, verweht von Händen.
Wind vergeht und wendet sich.



Die Menschenliebe

Nun sind wir hier,
vergessen von dem Taumeln loser Blätter,
die einen Baum verlassen,
zu Erde werden wieder.

Am Anfang wie am Ende,
Geburt wie Tod verbinden uns.
Das Ich und Ich,
zu einem Wir vereint.

Ist dies denn möglich,
oder ist dies nur ein Wunsch?
Ein Traum der flehenden Unschuldigkeit,
in uns ergreift den nächsten Schritt.

Wo ist das Hier?
Wo sind wir nun?
Wo ist das Wir, welch ich
mich traue auszusprechen?

Am Baum... am Baum...
Denn wie die Blätter
fallen ganz für sich allein,
vergehen in der Erde wieder,
so auch das Ich und Ich,
gelöst, den Weg beginnend,
den Augenblick verbinden,
bis sie das Ziel erreichen.

Den Fall der Blätter nennt ihr Leben.
Zusammenprall der Blätter nennt ihr Liebe.

Und sage mir, ist dies nicht möglich,
dass die Blätter wie zerrissen sind
bei ihrem Fall zur Erde nieder?

Macht dies ein Unterschied
zu dem, was steht geschrieben?

Was ist, wenn ich erkenne mich in meinem Fall?
Was ist, wenn ich mich über die Geburt erhebe?
Was ist, wenn ich den Tod durch meinen Willen überlebe?
Was ist, wenn...?

Mein Freund, halt an.
Sind dann die Blätter noch getrennt in ihrem Sein?

Oh weh... die Menschenliebe.




Dieser Abend

Trübe Wolken ziehen umher.
Ich will mich hinlegen,
weg laufen von dem Gefühl, das mich umgibt,

das mich durchzieht,
wie ein Faden Dinge hält zusammen,
um sie in ihrer Einsamkeit nicht zu verlieren.

Zusammen etwas zu ergeben,
was höher ist als Teil des Einen.
Immerwährend zu umschließen,
sich verfangen in dem Warten,
stillen all das Dürsten
in dem willenlosen Sein.

Alles aufzugeben,
Tränen zu ergießen
und zu fließen,
in dem Bach der Ewigkeit.

Sich vermischen mit dem Blut,
in Gedanken finden
Mut für nächsten Atemzug.

Wiederkehrend zu erklimmen,
Widerwillen zu erdrücken,
Wort nach Wort sich selbst ausdrücken,
um danach sich selbst vergessen
und das Höchste in sich finden.
Durch sein Selbst das Ich ergreifen,
frieren in der Kältes Kälte,
brennend durch das Feuer wandeln,
zu verlieren alles Streben,
Leiche sein.

Zu schenken...
um zu wecken...
um zu lieben...
ergriffen werden durch das Sein.

Erfüllt die Leere und erblüht,
ertastet neue Stufen,
steigt empor
und leuchtet,
in der Stärke einer Galaxie.

Wie eine Taube der Unendlichkeit.
Traurigkeit.
Einsamkeit.




Phönix

Feuer verbrennt mich.
Dem Phönix gleich, erwache ich aus meiner Asche.
Neugeboren, für die neue Welt geschaffen,
zu tragen, was gegeben ist in die Hände.

Geheim ist die Erlösung.
Neblig ist der Weg Gottes.
Im Unwissen glauben,
im Glauben vertrauen.
Alles los lassen
und sterben.

Nicht leiden im Leid der Verbrennung.
Still sein.
Warten und dienen...
dem Willen des Himmels.

Dem Vogel gleich sich erheben
über die eigene Unfähigkeit,
über die Qualen des Schmerzes,
über den eigenen Abgrund.

ICH LEBE
ICH LIEBE
ICH BIN

Amen.



Eine Mondlose Nacht

Wolkenscharen
in dem Abendhimmel taumeln
und verbergen blauen Himmel,
der verschwindet in die Nacht.

Sterne, hinter blauem Himmel,
wollen sich mit Erde binden,
wollen sich im Meere spiegeln,
tausend Sonnen sein.

Farben schwinden
und verlieren sich in Schatten,
werden gleichgestellt
und atmen den Geruch des Windes ein.

Es ist Zeit für uns zu warten,
innehalten und verstummen,
in der Stille still sein üben,
in dem Winde sich verbinden,
der die Wolken in sich wendet
und das Himmelslicht entfacht.

Mit den Sternen in dem Meere,
die den blauen Himmel brechen,
in die Schwärze ihrer Leere
und das Leuchten ihres Seins.



Schmetterling

Flüchtig, wie im Herbst die Sonne,
unsichtbar, wie Windes Hauch,
stetig in sich selbst verborgen,
hast du dich versteckt im Laub.

Such ich dich,
so find ich nicht.
Wünsch ich mir,
so merkst du nicht.
Warte ich,
vergeht die Zeit.
In dem Augenblick verbleib.

Komm ich näher,
hast du Angst.
Bin ich fern,
verstummt der Tag.
Bleib ich da,
doch du bist nicht
mit dem Willen in dem Licht.

In dem Winterschnee gefangen
ist ein Himmel voller Sterne.
Sonnenstrahlen zu empfangen,
Suche nach der Wärme.

Lasse uns einander spüren,
durch die Haut das Herz berühren,
durch das Herz die Liebe fühlen,
durch die Liebe Licht erfüllen.

Jeder in sich selbst vereint,
miteinander Licht erstrahlt.
Seelen tanzen in dem Licht,
Sonnenstrahlen, Eis zerbricht.



Wenn Du...

Wenn Du werden willst wie ein Baum,
werde erst zu seinem Blatt und gehe mit dem Wind umher.

Wenn Du sein willst wie ein Löwe,
so lerne erst seinen Jäger kennen.

Wenn Du fliegen willst wie ein Adler,
gehe zu seinem Grab und knie nieder.

Erst, wenn Du mit dem Wind gegangen bist,
den Löwen gejagt hast
und am eigenen Grab standest,
wirst Du sein wie ein Baum.



Der heilige Henker

Die Dunkelheit,
umgeben von den Schreien der Heiligen.
Die Gesichter der Wahrheit,
verzerrt durch den Hass.

Ich spiele mit der Blutlache vor mir,
sie ist noch warm.
Ich zerre an der Leiche, die daneben liegt,
sie schaut mich an.

Wahnsinn der Illusionen des nackten Lebens.
Ich schlage auf mich ein, bis ich blute
und dann trinke ich weiter.

Wer bist du,
der du vor mir stehst und mir befiehlst,
in Wahrheit, durch den Hass der Heiligkeit?

Verzerrte Fratzen deiner Seele,
erdrückend deine Sinne plagen.
Die Hände und das Blut in Venen,
erfroren von der Liebe deiner.

Ich spiele weiter mit dem Blut,
vergesse deine Blicke.
Auf meiner Haut, in meinem Kopf,
in meiner Nacktheit kriechend,
bist du geboren aus der Asche deiner Seelenplagen.
Das Gute zu vollbringen bist du hier gelandet.

Verzicht, Verzeihen und Vergessen auf deinen Lippen ruhen.
Erlösen willst du mich von Schmerzen,
die deine sind im Herzen.
Erbärmlichkeit, die Schrecken dieses Lebens
in mir gefangen zu verstehen warten.

Die Heiligen sind heilig.
Verdammte sind verdammt.
Die Ruhenden sind ruhend.
Doch wer bist du,
der du auf mich hernieder schaust?



Der Lichtbringer

Ich sehe Wolken.
Dunkle Raaben scheinen zu verschlingen mich.
Der Wind zerstreut die Seele in mir und nimmt das Licht.
Die Schatten da sind, um zu sehen Lichtes Stärke.

Mein Haupt gesenkt zu Boden habe ich
und dem Gefühl entgegen komm ich näher.
Der Wind wird Sturm, der Sturm wird ich,
verklingt das Rauschen immer mehr.

Das, was das Licht erblickte, wird erblinden.
Das, was erblendet wurde, wird erleuchtet.
Ich bin gefallen von den Wolken um zu sehen,
durch Blindheit, mit dem Licht im Herzen.

Wenn euer Schmerz in meine Richtung fließt
und euer Kampf sich wendet gegen mich,
euch schenken werde ich das Licht,
auch wenn das Licht für euch die Wunden öffnet.

Nicht für das Leid und Schmerz gekommen bin ich
und nicht den Schatten trage ich an meiner Seite.
Zu dem, was ihr erschaffen habt euch leite,
damit ihr es verwandeln könnt.

Ich sehe all das, was euch leitet.
Ich fühle euren Schmerz und Leiden.
So fühlt es auch und öffnet eure Augen,
um zu erkennen euer Selbst.



In Liebe

Ein Spiegel aus dem Licht in Dunkelheit verhüllt.
Das Leid, gezeigt in Flammen, die Seele zu zerreißen
versucht ein Tor zu finden, für alle die, die kreisen.
Mit Liebe ihre Herzen füllt.

Kein Ich, kein Du und ohne Zeit,
kein Gut und Schlecht im Sein.
Die Stille und der Weg allein,
das Warten in der Ewigkeit.

Die Suche, ohne Eifer, nach dem Sinn,
im Schatten, durch Zerfall in Liebe.
Keine Erwartung und kein Schmerz für Triebe,
ein immerwährender Beginn.